Nicht ins Becken springen.

Die letzte Straße 2020.

Ich war lange nicht hier. Weil dieses Jahr auch so anders ist. Nichts hat so statt gefunden, wie wir es uns 2019 vorgestellt haben. Meine Pläne wurde komplett durchgekreuzt. Aber ich bin Rad gefahren. Viel Rad – virtuell, wie so viele andere. Ich bin allein gefahren und ich habe meine ersten 200er erleben dürfen. Und ich habe sehr gute Freunde auf dem Rad kennengelernt. Insofern war das Jahr gar nicht so schlecht.

Die Tour wurde verschoben und viele andere Rennen ebenfalls. Fast alle wurden in die zweite Hälfte des Jahres verschoben. Und die war dann doch noch ganz schön spannend. Mein Fahrer des Jahres war übrigens nicht Mathieu van der Poel, sondern Julian Alaphilippe, der neue Strassenweltmeister. Das, was er bei der WM geschafft hat, die Flucht ca. 10 Kilometer vor dem Ziel, war außerordentlich. Ich mag ihn aber auch, weil so leidenschaftlich und emotional ist. Zum Ende brach er sich das Handgelenk bei der Flandernrundfahrt. Ob das so fair war, das Wout van Aert das Hindernis so spät angezeigt hat, darüber läßt sich streiten. Für uns Rider heißt das, gerade wenn wir dicht zusammen fahren, jedes Hindernis dem Fahrer hinter einem schnell und deutlich anzuzeigen. Bodenwellen, Kanaldeckel, parkende Autos. Bodenwellen waren für mich in diesem Jahr bedeutend. Dazu gleich.

Jedes Jedermann-Rennen wurde 2020 abgesagt. Ich wollte in Berlin fahren, in Hamburg und in Nizza – zum Start der Tour de France – am ursprünglichen Termin. Aber auch die L’Etape du Tour wurde auf das nächste Jahr verschoben. Ich habe meinen Startplatz behalten. Ich werde berichten.

Wenn ich sage, dass ich viel gefahren bin, dann waren es bis zum 20. November rund 8.300 Kilometer. Das ist für mich ebenfalls außerordentlich und zeugt von einer gewissen Sucht nach dem Rennrad – aber auch der Wahoo Kickr hat mich schnell auf das Rad gerissen. Ich hatte eben auch die Möglichkeit, viel zu fahren. Ohne Aufwand. Das ist schon genial. Und mit Zwift macht es einen Riesenspaß. So war ich bei der virtuellen Tour de France dabei und bin die letzte Etappe auf der Champs-Élysées gefahren. Virtuell, aber trotzdem ein einzigartiges Erlebnis. Go Zwift!

Die letzten Minuten vor dem Sturz.

Der 20. November war der Tag, der meine Saison beendete. Ursprünglich wollte ich dieses Jahr 9.000 Kilometer fahren und nichts stand dem im Wege. Die letzten 1.000 Kilometer waren nicht übertrieben, denn diese Menge bin ich schon im Oktober gefahren und für den November – bis zum 20. November – fehlten nur noch ein paar Kilometer. Ziel war es, für Movember 1.000 Kilometer zu fahren und gleichzeitig für mein RCC Chapter so viel Kilometer, wie möglich, einzufahren – im Rahmen der European Annual Challenge. Zuerst das Positive. Ich habe nicht meine Movember-Kilometer geschafft, aber mein Spendenziel erreicht. 333,- EURO konnte ich einsammeln. Noch einmal Danke an die Spender. Und mein RCC Chapter siegte bei der Challenge, die vom 15. bis 22. November ging. Ziel: Das Chapter mit den meisten Kilometern pro Mitglied. Eine Woche fahren und Kilometer sammeln. Die gefahrenen Kilometer wurden durch die Anzahl der Chapter-Mitglieder geteilt. Berlin fuhr die meisten Kilometer. Ich fuhr aber nur bis zum 20. November.

Dieser 20. November, dieser Freitag war ein schöner Herbsttag. Einer dieser Tage in diesem Jahr, von denen es einige gab. Relativ warm, sonnig, ideal. Ich war zwar viel zu warm angezogen, aber ich wollte nicht schnell, aber doch ein paar Kilometer für Movember und mein Chapter fahren. Vielleicht knapp 100. Eine West-Berliner-Runde. Krone / Schwanenwerder / Pfaueninsel / Glienicker Brücke und wieder zurück. Dreimal bin ich die Pfaueninsel-Schleife gefahren. Es war sehr meditativ. Einfach 100% Rennrad. Auf dem Rückweg, wollte ich, statt über die Krone oder durch die Stadt zum Tempelhofer Feld, einfach noch die Havelchaussee hochfahren und dann nach Hause. Es war 15:00 Uhr. Um 16:00 sollte die Sonne untergehen. Alles war easy, der Plan war vernünftig. Nach der ersten kleinen Steigung kommt ein flaches Stück, bevor es leicht bergab bis zu einem kurzen, aber knackigen Anstieg geht. Auf dem flachen Stück ist es dann passiert. Die Bodenwelle, verursacht durch eine Wurzel unter dem Asphalt, war extrem hoch – so habe ich sie gespürt. Ich kam aus dem Gleichgewicht. Bei 28 Km/h hat es mich auf die Hüfte geworfen. Der Schmerz war unerträglich. Und das Schlimme war, er hörte nicht auf. Ich lag dann auf der Havelchaussee. Jenny Pöller, die mich von der Fahrbahn gekratzt hat, hat das dann später in Ihrem Blog verarbeitet. So hat sie das erlebt.

Ich kam ins Krankenhaus. Röntgen. CT. Dreifacher Beckenbruch links. Das war das Ende meiner Saison 2020. Und es wird auch noch eine Weile dauern, bis ich wieder auf das Rad komme.

Fortbewegungsmittel für die nächsten Wochen.

Ich bin jetzt zu Hause. Krücken. CX auf Eurosport und sechs Wochen in der Wohnung festgetackert. Zum Jahreswechsel wird die Last auf dem linken Bein erhöht. Ich bekomme Physio und darf eigentlich auf den Kickr, wenn ich dabei keine Schmerzen habe. Nächste Woche will ich es versuchen. Keep on moving Bitches.

Aller Anfang ist virtuell.

Die Pain Cave ist der Ort, wo aus dem Sofa die Hölle wird.

Der Lockdown hat die Rennrad-Szene in Sachen gemeinsame Ausfahrten und Rennen komplett durcheinander geworfen. Auch hier ist nichts mehr so, wie es einmal war. Und das schon seit Monaten. Die Saison wollte beginnen und dann war sie auch schon zu Ende – so, wie wir sie kennen. Die Frühjahrklassiker fielen aus und mit der Verschiebung der Tour de France war klar – das wars mit 2020 – wie wir es uns vorgestellt haben.

Dann eben Zuhause. Mit einem Smarttrainer.

Ich habe habe mir im Februar ein Smarttrainer angeschafft und wollte mich noch intensiver auf die L’Etape du Tour de France im Juli vorbereiten. Die ist übrigens in den Herbst verschoben worden und aktuell komplett ins nächste Jahr.

Ich habe mich für den Wahoo Core Kickr entschieden – auch aus Budgetgründen und bin sehr glücklich. Hier zwei Vergleichstests, die ich im Netz gefunden habe. Mit dem Kickr kam auch Zwift in mein Leben und ich möchte es nicht mehr missen. Was das ist und wie außerordentlich man damit trainieren kann, findet ihr hier. Und den besten Blog aus meiner Sicht, hier.

Auf Grund des kompletten Shutdowns für den Rennsport, mussten viele Profis auch auf die Smarttrainer wechseln. Und so explodierte der Markt um das virtuelle Cycling. Es gab eine virtuelle L’Etape du Tour de France, eine virtuelle Tour de France und manch anderes Rennen, welche nur für Profis zugänglich war. Richtig gelesen, diese Rennen bekamen im virtuellen Raum auch Schnittstellen zu Amateuren und Fans. Ich bin die die 6 Runden auf der Champs-Élysées gefahren und eine L’Etape du Tour Etappe – die Zweite habe ich nicht geschafft. 20 Kilometer Steigung waren an diesem Tag nicht drinnen.

Ich bin die Tour gefahren. Die letzte Etappe.

In meiner Leistungsklasse führe ich das Peloton an. Auf der letzten Etappe der virtuellen Tour de France.

Gestern habe ich den aktuellen Nike-Spot gesehen. You can’t stop sport, you can’t stop us. Brillant. Ich bin dieses Jahr schon mehr gefahren, als letztes Jahr. Virtuell und jetzt endlich auch wieder vermehrt draussen. Es fehlen noch die Gruppenausfahrten, aber sie kommen wieder. Ganz bestimmt.

Keep on moving, bitches.

Nimm ab, Du fettes Schwein.

So sehen 97 Kilo aus. Da geht noch was.

Gewichtsabnahme ist eigentlich ganz einfach. Aber warum will Mann das eigentlich? Es gibt neben ästhetischen Gründen auch ganz technische Notwendigkeiten.

Das Systemgewicht beim Rennradfahren ist ein Wert, der sehr brutal sagt, wo die Grenze ist. Einige Bikes erlauben nur 100kg Gesamtgewicht. 120 kg sind schon die Stabileren. Das sind die Fakten.

Achillessehnen sind die Laufräder. Feine, leichte Italiener erlauben eben nur feine, leichte Italiener. Gerissene Speichen ermahnen zur fachlichen Beratung. Ich bin irgendwann auf Mavics umgestiegen. Hier gibt es echte Schwerlast-Komponenten. Informieren oder fragen schafft Erkenntnisse.

Aber, das muss ja nicht sein. Es darf auch abgenommen werden. Körpergröße minus 100, das ist Dein Gewicht. Es darf auch weniger sein. Ab 6% Steigung macht das spürbar Sinn. Und zwar richtig.

Aber es ist ja eigentlich ganz einfach. Immer mehr Kalorien verbrauchen, als zugeführt werden. Dann nimmt man ab.

Für mich ist das wie Krieg. Irgendwann ist die Rechnung nämlich nicht mehr ganz so einfach. Ich bin über 50. Der Stoffwechsel verlangsamt sich. Gutes, schönes Essen macht den Rest. Stress und Anspannung fordern kulinarische Befriedigung. Und wer zu dem gerne kocht, lebt ständig im Zwiespalt zwischen Verzicht und Lust.

Ein weiterer Aspekt, der die Sache so schwierig macht, ist der Memory-Effekt des Körpers. Unterversorgung, also überdurchschnittliche Anforderung und Belastung, ist ein echter Notfall für den Körper. Er will das nicht oft erleben müssen. Deshalb will er in der Erholungszeit mehr Nahrung, um nicht wieder in den Notfall der Unterversorgung zu kommen und seine Reserven angreifen müssen. Das will er nicht. Deshalb giert er teilweise sehr perfide, still und leise nach Pasta, Zucker, Fett und Fleisch – einfach alles, was schmeckt und Power und Ausdauer ermöglicht. Eigentlich völlig in Ordnung. Aber nicht unbedingt von Vorteil, wenn man abnehmen will. Manche sprechen auch von Jojo-Effekt. Für mich ist das Krieg.

„Du gegen Deinen Körper“ ist auch die Wahl der richtigen Waffen.

Ich habe fast alles ausprobiert. FDH – friss die Hälfte. Das klappt nur bedingt. Es gehört ein starker Wille dazu, die halbe Portion Spagetti Bolognese zu essen und den Rest den Kindern zu geben. Man merkt am besten, dass das nicht klappt, wenn die halbe Portion irgendwann dann doch die Menge einer ganzen Portion erreicht hat – „nein, ein wenig fehlt, wirklich, schau mal, das ist keine ganze Portion.“ Vielleicht kennt ihr diesen Dialog im Kopf.

Trennkost. Schon besser. Aber was nicht stimmt ist, dass du jede Menge essen kannst, wenn du nur tierische Eiweisse und Kohlehydrate trennst. Das ist der Kern der Trennkost. Fleisch, Fisch und Gemüse oder Salate funktionieren. Und auf der anderen Seite Pasta und Gemüse. Oder Kartoffeln oder Reis. Spagetti Bolognese entfällt also für eine Weile. Dies ist die Trennkost-Kurzform. Die Sache ist durchaus komplexer und kann dann auch noch individuell angepasst werden. Ich empfehle ein Buch zum Thema Trennkost.

Bei mir hat das nicht wirklich geholfen. Manchmal ja, manchmal nein. Oft war das Baguette zum Entrecôte der Stolperstein. Trennkost ist ok, braucht aber ebenfalls echte Disziplin. Und mehr als ein halbes Kilo pro Woche funktioniert nicht wirklich, wenn man nicht dauernd hungern will.

Jetzt festhalten. Bei mir hat am besten Weight Watchers funktioniert. Von allen ernährungstechnischen Einschränkungen war WW die erfolgreichste. Warum? Erstmal – ich bin kein Testimonial. Dieses Punktezählen macht durchaus Sinn – man versteht irgendwann die Tageszusammenstellung. Und es ist einfacher, als Kalorienzählen. WW ist annährend fettfrei und achtet auf die Zusammensetzung der Speisen. Ungünstige Lebensmittel haben viele Punkte und es gibt ein Menge Nahrungsmittel mit keinem oder nur einem Punkt. Alles andere ist Mathematik. Aus Körpergewicht und tägliche Anforderung wird eine Tagesmenge an Punkten zusammengestellt. Das sind die Fakten. Man kann vieles ohne Punkte essen, ist relativ satt – ernährt sich möglichst fett- und zuckerfrei und nimmt kontinuierlich ab. Mit Sport noch mehr. Das ist wie Fahrstuhlfahren. Mein Tipp. Den kostenlosen Probemonat ausnutzen. Nahrungsgewohnheiten anpassen. Bingo.

Kalorienzählen. Es gibt übrigens zu allem entsprechende Apps. WW so wie so, aber auch eine Menge Kalorienzähl-Apps. Und ja, sie funktionieren. Du verbrauchst normalerweise eine bestimmt Menge Kalorien. Hier eine enstprechende Liste:

https://www.tk.de/techniker/magazin/ernaehrung/uebergewicht-und-diaet/wie-viele-kalorien-pro-tag-2006758

Oder hier:

https://eatsmarter.de/ernaehrung/gesund-ernaehren/kalorien-pro-tag

In den gängigen Apps finden sich selbstverständlich ähnliche Tabellen.

Hier eine Liste entsprechender Apps:

https://www.fitforfun.de/abnehmen/lifesum-im-test-lifestyletracker-und-kalorienzaehler-im-handy-bringt-das-was-190660.html

Einige haben sogar einen Lebensmittel-Scanner.

Hier noch eine Liste:

https://praxistipps.chip.de/kalorienzaehler-app-welche-sind-die-besten_98463

Die Verbindung zu einem Tracker ist natürlich ideal, da der bewegungsspezifische Verbrauch sofort berücksichtigt wird. Einfach ausprobieren.

Ich fand es am Ende ganz schön komplex und hatte Angst, dass ich vielelicht zu wenig auf meine Ernährungs-Bausteine achte. Das ist nämlch das ganz große Problem. Zu einseitige Ernährung oder Mangel an Mineralien und Vitaminen.

Da hilft dann nur der gesunde Menschenverstand.

Ihr braucht alles. Fett, Proteine, Kohlehydrate, Vitamine, Mineralien.

Wenn nichts mehr hilft, hilft am Ende die Tour – also einschlägige Magazine mit Tipps und Rezepten. Zum Beispiel:

https://www.tour-magazin.de/fitness/ernaehrung/ernaehrungsguide-fuer-radfahrer-speiseplan/a46161.html

Fazit. In unserem Alter ist das Abnehmen eine Angelegenheit wie Himmel und Hölle. Solltet ihr nicht unbedingt eine definierte Kilozahl erreichen wollen, dann fahrt und esst gesund weiter. Der Körper regelt das schon selbst mit Hunger und Durst. Einfach zuhören.

Wenn ihr ein konkretes Ziel habt, dann macht euch einen Plan. Besorgt euch einen Ernährungsplan auf das Ziel abgestimmt. Aber macht.

Mein linkes Knie schreit zum Beispiel nach mehr Leichtigkeit. Ich müßte 90 Kilo wiegen und dümpel bei 98 bis 95 Kilo herum. Schon nicht schlecht. Ich komme von 107. Aber 90 ist das Ziel. Schaffe ich.

Keep on moving, bitches.

Hello again.

Die Zeiten sind aufregend. Ungewiss. Letztes Jahr hatten wir uns in Gedanken auf 2020 vorbereitet. Pläne gemacht. VeloCity in Berlin. L’Etape du Tour in Nizza. Cyclassics in Hamburg. Und noch viel mehr. Immer die 3.000 Höhenmeter in Nizza im Kopf. Ist das zu schaffen? Mit 56? Alles anders. Kein Rennen. Alle abgesagt.

Aber wir leben noch. Haben Zwift entdeckt. Fahren allein durch diesen wunderbaren Frühling. Erleben diese unwirkliche Welt in der uns ein Virus fesselt und alles für immer verändert hat. Vielleicht ist deshalb die Sehnsucht so groß – wir dürfen nicht, also wollen wir noch mehr.

Wann wieder eine „Normalität“ eintritt ist ungewiss. Aber wir sind zuversichtlich. Ich will in den nächsten Wochen über das Abnehmen auf dem Rennrad schreiben. Was habe ich gemacht, was mache ich? Was ist sinnvoll, was nicht? Was geht, was geht nicht? Ein Menge Erfahrungsberichte. Bis dahin.

Keep on moving, bitches.

Freundschaft.

Der RCC Berlin bei den Hamburg CyClassics im Sommer 2019

Gemeinsam eine Landstraße mit 35 km/h entlang zu gleiten, Zweierreihe, das Hinterrad des vorderen Rades immer mit einem halben Auge im Blick, zu spüren, was eine Gruppe kann – Kilometer fressen kann – das ist eine außerordentliche Erfahrung. Die kann man so nicht allein erleben.

Überhaupt ist das Rennradfahren eine besondere Erfahrung. Es ist die Lust und der Wille zur Anstrengung. Geschwindigkeit, Anstiege, Abfahrten, Wetter, Teamplay. Ich habe beim Rennradfahren immer das Gefühl, die Fahrerinnen und Fahrer verbindet eine feste Freundschaft. Respekt und bedingungslose Hilfsbereitschaft sind permanent spürbar. Gefeiert wird der gemeinsame Kaffee, der Kuchen, das Bier, das Fachsimpeln. Die Geschichten, die Erlebnisse. Und obwohl das Rennradfahren, wie auch das Laufen, eine durchaus einsame Angelegenheit sein kann, fahren die Freundschaft, die Gedanken an das Team oder die Partner in Crime immer mit. Das ist das Besondere am Rennradfahren. Ich bin viele Jahre allein gefahren, doch jetzt möchte ich meinen Club, mein Team und meine Freunde nicht mehr missen. Auch wenn ich weiterhin oft allein unterwegs bin, Höhepunkte sind immer die gemeinsamem Ausfahrten. Wer also selbst fährt, allein, wer vielleicht mit dem Rennradfahren beginnen will, der sollte auch diese Erfahrung machen – es gibt Ausfahrten auf Strava, den man sich anschließen kann und genügend Foren im Internet, die auch Ausfahrten anbieten und natürlich immer mehr Clubs, die Fahrerinnen und Fahren aufnehmen oder um sie buhlen.

Keep on moving, bitches.

Der jüngste Gewinner.

Egan Bernal, 22 Jahre, der jüngste Tour de France Gewinner

Am Ende war es der Columbianer, der als Erster über den Col de l‘ Iseran fuhr. Zu einem Zeitpunkt der 19. Etappe, an dem alle noch glaubten, jetzt kommen die letzten großen Angriffe der Top 4 im Classement. Das Wetter machte dem ein Strich durch die Rechnung. Hagel und eine Schlammlawine nötigten die Rennleitung, das Rennen abzubrechen. Gewertet wurde das Überfahren des vorletzten Cols. Und da war der Columbianer der Erste. Julian Alaphilippe, der bisher führte, konnte nicht mehr wirklich folgen oder auch er rechnete sich vielleicht aus, erst wieder auf den letzten 20 Kilometern anzugreifen. Genauso erging es wahrscheinlich Geraint Thomas, er war noch im Rennen um den Gesamtsieg – für ihn dann das zweite Mal. Aber auch er musste, in diesem Fall sogar seinem Teamgefährten, zwar nicht wirklich fahren lassen, sondern war eben auch zur falschen Zeit am Col de l‘ Iseran.

Egan Bernal fuhr sich mit Hilfe des Wetters ins gelbe Trikot und behielt es auch auf der vorletzten Etappe. Jetzt fuhr die gesamte INEOS Mannschaft für ihn – eben auch der Vorjahressieger Geraint Thomas. Die letzte Etappe nach Paris – für das gelbe Trikot nur noch Makulatur – krönte den jüngsten Tour-Sieger in der Geschichte der Rundfahrt.

Es war eine spannende Tour, weil bis kurz vor Schluß die Top 10 unglaublich nah beieinander waren. Fast hätte es auch geklappt, dass endlich wieder ein Franzose die Tour gewinnt. Julian Alaphilippe hatte bewiesen, dass er nicht ohne Grund die Nummer Eins in der Welt ist. Aber das Pensum, die vielen Tage im gelben Trikot, der Gejagte zu sein, war dann am Ende zu viel für den mir sehr sympathischen Franzosen. Ein toller Rennfahrer!

Geraint Thomas war in einer unangenehmen Situation. Er hätte die Tour gewinnen können, es fehlte nicht viel. Doch so mußte er seinem Teamkollegen am Ende vom zweiten Platz aus gratulieren – 1 Minute 21 Sekunden trennten sie voneinander. Der dritte Platz ging an Steven Kruijswijk. Auf dem „undankbaren“ 4. Platz landete der Deutsche Emanuel Buchmann. Auch er hatte das Zeug, auf das Podium zu fahren, aber am Ende nicht unglücklich mit der Platzierung.

Die Beste Mannschaft war zum Schluß die spanische Equipe Moviestar auf Canyon Bikes mit dem Strassen-Weltmeister Alejandro Valverde und dem anderen Columbianer Nairo Quintana – er war dieses Jahr in den Bergen leider nicht so zwingend, gewann aber trotzdem eine Etappe.

Bester Sprinter wurde zum 7. Mal Peter Sagan. Er ist gereift, weiterhin raffiniert und eine feste Größe, als einer der besten Sprinter der Welt.

Der beste Mann in den Bergen war am Ende Romain Bardet und so haben die Franzosen auch noch ihren Helden abgekommen.

Kämpferischster Fahrer wurde Julian Alaphilippe. Ein schönes Trostpflaster. Ich hätte den Katushas mit Rick Zabel und Nils Polit mehr gewünscht, aber die Mannschaft hängt fest – der Weggang von Marcel Kittel zeugt von großen Veränderungen bei Katusha Alpecin, die wahrscheinlich bevorstehen.

Ich wäre gern beim Finale in Paris dabeigewesen. Es hat dann leider nicht gepasst, aber nächstes Jahr …

Die Tour, das waren für mich drei tolle Woche – man ist nie komplett dabei, aber sie ist Tag für Tag ein schönes Ritual für Rennrad-Maniacs. Bei jeder Ausfahrt ist sie im Kopf und irgendwie fährt man mit. Keep on moving, bitches.

Am Tag des Finales sind wir, der Rapha Cycling Club, eine schöne Runde durch Brandenburg gefahren. Und wir hatten sogar ein gelbes Trikot dabei. 133 Kilometer waren am Ende auf dem sehr unzuverlässigen Garmin.

RCC durch Berlin und Brandenburg. Gran Fondo für Großstädter.

No Limits.

Wald, Rad, Rennrad, Canyon,
Ist die Straße zu Ende, beginnt die Welt des Cyclocross.

Das Querfeldeinfahren kommt aus Frankreich. 1900 musste der Soldat Daniel Gousseau einem General beim Geländeritt eskortieren. Als einfacher Soldat hatte er nur ein Fahrrad. Er konnte dem General auf seinem Pferd durchaus folgen. Er war begeistert und lud seine Kameraden ein, es ihm gleich zu machen. Und wenn Männer zusammen Radfahren, ist es schnell ein Rennen. So ist das und so ist das gewesen. Der Begriff „Cyclo-Cross“ hat der Sportjournalist Géo Lefèvre in die Welt gesetzt. Ein 1903 veranstaltetes Rad-Geländerennen nahe der Stadt Ville-d’Avray nannte er „cross cylo-pédestre“. Die Kurzform „Cyclo-Cross“ wurde ab 1935 „geländegängig“. Heute nennt man das Rasen durch Wälder und durchaus schwerem Gelände Cyclocross. Belgien ist die Hochburg. Hier trifft man sich im Herbst und Winter an kurzen, aber harten Strecken. Rund eine Stunde wird volle Pulle gefahren. Die Rundenanzahl richtet sich nach der ersten Rundenzeit. Das sind die Regeln. Grob vereinfacht. Das Gelände hält alles bereit. Sand, Matsch, Hindernisse, steile Anstiege – oft muss das Rad getragen werden. So ist das gesamte Material darauf abgestimmt. Schuhe, mit denen man auch im Gelände rennen kann. Und ein Rad, was natürlich allen Anforderungen im Gelände entspricht. Profilierte Reifen (max. 33 mm breit). Eine knackige Schaltung mit nur einem Kettenblatt vorn und Abstufungen hinten, die fürs schnelle Bergauffahren bei extremsten Steigungen ausgelegt sind. Zum Beispiel das: Das Canyon Inflite CF SL 8.0 Race. Das Rad meiner Wahl und ich kann nur bestes berichten.

Canyon baut erstklassige Räder. Zum Beispiel den Cyclocross-Renner Inlite CF SL 8.0 Race.

Die Pedalen kommen von den Mountainbikes und so müssen auch die Cleats entsprechen – das SPD System von Shimano ist der Maßstab.

Der Aktuelle Superstar im Cyclocross-Sport ist Mathieu van der Poel, der Sohn von Adrie van der Poel und der ist ein Enkel von Raymond Poulidor. Mathieu ist nicht nur mehrfacher Welt- und Europameister, er ist einfach magisch. Er gewann zum Beispiel dieses Jahr (2019) das Amstel Gold Race mit einem epischen Sprint über die Ziellinie. Ich lege mich hier fest: Mathieu van der Poel wird die Tour de France gleich mehrfach gewinnen. Vielleicht kann er die sieben illegalen Siege von Lance Armstrong egalisieren.

Das Canyon Inflite von Mathieu van der Poel in Weltmeister-Lackierung.

Der Knick im Rahmen des Inflite von Canyon ist eine „Tragehilfe“ im Gelände, es ist dadurch besser zu Schultern, aber es ist auch ein unübersehbares Merkmal. Übrigens eine Spezialität von Canyon – unverwechselbar sein. Man beachte in diesem Zusammenhang auch den Hoover-Lenker beim Gravel-Rad Grail.

Gravel und Cyclocross liegen dicht beieinander. In beiden Fällen geht es um das Fahren im Gelände oder auf Waldwegen. Gravel-Bikes sind etwas komfortabler. Cyclocross-Räder entsprechen den UCI Richtlinien. Wem das nicht wichtig ist, der fährt im Wald am besten mit einem Gravel-Bike. Hier sind die Reifen zum Beispiel 35 mm breit und das macht schon einen echten Unterschied.

Natürlich bieten fast alle Hersteller sehr gute „Crosser“ und Gravel-Bikes. Specialized oder Trek, Stevens oder auch Supermarkträder von Stadler.

Ich fahre am liebsten durch die Wälder Berlins und Brandenburgs. Mit 25 km/h einen Waldweg lang zu brettern, macht nicht nur wahnsinnig Spaß, sondern trainiert ganz hervorragend. Ein guter Crosser ist auch auf der Straße ziemlich schnell unterwegs. So werden die Runden universeller und im Herbst und Winter kann man in 30 Minuten sich perfekt auspowern, ohne am Erfrierungstod auf der Straße zu sterben.

Keep on moving, bitches.

Land der Rennradfahrer.

Die französischen Alpen, Hochburg des Rennradfahrens.

Die Tour de France neigt sich dem Ende. Noch drei Etappen, wobei die letzte kein Ergebnis mehr verändern wird. Im Jahr 2019 sind die letzten drei Etappen die entscheidenden. Die französischen Alpen werden alles von den Fahrern abverlangen. Nach knapp drei Wochen sind die Kräfte schon fast aufgebracht. Doch jetzt kommen die „Klopper“, Col du Tourmalet, Col du Galibier, Col de la Madeleine, Mont Ventoux, Col d’Izoard, Alpe d’huez, Col de la Croix de Fer, Col de l’lseran sind die berühmtesten Gipfel, die größten Herausforderungen. 2019 sind wieder einige Klassiker dabei, nie alle, aber immer echte Mauern – Anstiege von unglaublicher Härte.

Aber warum ist der Anstieg die Krone des Rennradfahrers?

Bergab kann jeder. Was nicht ganz stimmt, aber nachvollziehbarerweise ist das Bergabfahren erst einmal ohne Kraftanstrengungen möglich. Das flache Land hat die Ausdauer im Mittelpunkt, aber der Anstieg ist die größte Herausforderung. Ich persönlich liebe das Bergauffahren. Kraft, Ausdauer, Herzfrequenz, alles strebt zum Maximum. Ich bin stolz auf meine 170 Bpm – mit 55 Jahren kann ich mich damit durchaus sehen lassen. Am Berg sind sie entscheidend. Der Gipfel, die Endorphine, die dann freigesetzt werden, sind die wahren Drogen. Es gibt kein einziges Gefühl, welches dem gleichzusetzen ist. Kein einziges. Keins.

Bei der Tour de France sind die Berge die Möglichkeit, alle anderen in Grund und Boden zu fahren. Die Abstände werden groß am Berg. Hier können Leistungsunterschiede zu Minuten-Gewinnen und -Verlusten führen. Dieses Jahr zum Ende der Tour, was sie wirklich spannend macht. Die Top Ten sind sehr dicht beieinander. Es ist noch nichts wirklich entschieden. Alles kann noch passieren.

Der Berg macht den Rennradfahrer zum Abenteurer, zum echten Athleten und zum Liebhaber der Einsamkeit des Langstrecken(läufers). Das kann und will nicht jeder. Und so werden aus Jedermännern Spezialisten. Hier werden Geschichten erlebt. Sehr persönliche Augenblicke. Ich werde von meinen hier berichten und natürlich die legendären, die der Stars und Legenden. Keep on moving, bitches.

Das Leben ist gelb.

Heute beginnt die Tour de France 2019.

Meine erste Berührung mit der Tour de France war Didi Thurau. 15 Tage trug er das gelbe Trikot auf der Tour 1977. Ich war mit meinen Eltern in Österreich im Urlaub. Jeden Tag war das die News, Didi hat das Trikot verteidigen können. Ich wollte auch sofort ein Rennrad haben. Leider konnten meine Eltern mir diesen Wunsch nicht erfüllen. Erst viele Jahre später kaufte ich mir ein Peugeot-Renner. Da Radrennen auf Grund der finanziellen Möglichkeiten nichts wurde, ging ich zum Handball und dort ins Tor. Punkt. Nix Eddy Merckx und Konsorten. Jetzt im Nachhinein sehr bedauerlich, ich wäre gerne ein Radrennstar geworden. So spielte ich Handball und danach Basketball – und wurde natürlich kein NBA-Star.

Aber die Zuneigung zum Radsport blieb.

Die Krone trägt die Tour de France. Das Spektakel des Jahres. Und sie ist und bleibt das ultimative Radrennen. Doping und Armstrong haben es nicht geschafft, sie zu eliminieren. Vielleicht liegt es an der Größe, an der Archaik dieses Rennens. Kein Kriterium oder einfaches Etappenrennen, nein, über 3.000 Kilometer durch Frankreich, Alpen, Pyrenäen. Es bleibt unvorstellbar, wie ein Mensch diese Strapazen mit durchschnittlich 40 km/h und mehr überhaupt aushalten und schaffen kann. Und deshalb ist die Tour auch immer mit Hilfsmitteln verbunden, die diese Frage versuchen bestmöglich zu beantworten. Nie legal, aber nachvollziehbar, wenn der Mensch zu schwach ist, aber die Gier nach Sieg und Anerkennung die Vernunft übersteigt.

Der Skandal der Neuzeit ist sicherlich Lance Armstrong, der die Tour 7 Mal illegal gewonnen hat, um dann alle Siege wieder abgeben zu müssen. Legendär sein vehementer Kampf gegen die Verdächtigungen und am Ende das Interview mit Oprah Winfrey. Das komplette Geständnis.

Aber das hat die Tour genauso ausgehalten, wie Festina, Ullrich und alle anderen Skandale und Rückschläge in der Sportlichkeit. Die nächsten drei Wochen prägen die Tage der Radsportfanatiker. Keine Ausfahrt mit Gedanken an die Tour. Auch ich werde sie genießen und entsprechend meine Runden fahren.

Für alle, die mit dem Radsport beginnen und den Virus Tour de France abbekommen sei eines gesagt – man trägt jetzt nicht gelb, man trägt überhaupt kein gelbes Trikot – diese Farbe ist den Giganten der Straße vorbehalten. Also nichts kaufen oder schenken lassen, was gelb ist und das Tour de France Logo besitzt – wir tragen das nicht beim Rennradfahren. Vielleicht sammeln wir diese Devotionalien, aber niemals würden wir damit Rennrad fahren. Auch kein grünes Trikot oder weißes mit roten Punkten (Sprint und Bergwertung).

Also Rennrad rausholen und Tour de France im Kopf haben. Keep on moving, bitches.

Was ist Liebe?

Battaglin Alu-Renner aus den frühen 2000er Jahren.

Das sind doch alles Verrückte. Und das ist wahr. Die Liebe zum Rennradfahren ist schwer zu beschreiben. Es gibt sehr viel bequemere Formen das Velotierens, aber keine hat so viel zu erzählen. Es beginnt mit Schmerzen, die von Ride zu Ride immer weniger werden. Allein das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Wenn man die Ausbildung hinter sich hat, wenn es zum ersten Mal um andauernd hohe Geschwindigkeit geht oder ein Anstieg geschafft ist. Und natürlich ist es auch eine Liebe zur Geschwindigkeit. Die schmalen Reifen, das geringe Gewicht des Renners, die unmittelbare Beschleunigung, wenn man im Wiegeschritt fährt, all das sind die Parameter für eine große Liebe. Und das sind noch lange nicht alle. Es ist das Rad, welches die volle Aufmerksamkeit bekommt. Die Schuhe und Klickpedalen, die schon eine echte Hürde für Anfänger darstellen. Schuh und Pedale sind eine Einheit und es braucht Übung, um dort geschickt herauszukommen, wenn man anhält oder … Aber man will ja nicht anhalten oder stürzen. Bestmögliches Rollen. Lange. Darum geht es. Zum einen.

Ich habe mit einem relativ preiswerten Alu-Renner begonnen. Das war aber schon in den Jahren, wo Jugend schon lange nicht mehr im Sein präsent gewesen ist. Es ging um das vehemente Das-geht-noch. Es ging um das Aufhalten des Alterns und das Bewusstwerdens darüber. Rennradfahren und natürlich auch Laufen sind gute Therapien für diese Phasen.

Ich habe mit dem Rennradfahren begonnen und es war von Beginn an ganz einfach toll. 30 Kilometer, 40 Kilometer, 65 Kilometer. Irgendwann waren dann die 30 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit möglich. Ein Status, den man nicht mehr aufgeben will, denn er sagt, man ist trainiert. Man ist schnell.

Das Rennrad von der Stange reicht dann schnell nicht mehr aus, weil man merkt, das Material ist ein wesentlicher Faktor. Man überlegt, wie es leichter werden kann, man wechselt Komponenten aus. Die schwersten Komponenten sind das Tretlager, die Laufräder, Vorbau, Lenker – hier kann man schon gut Gewicht einsparen. Am besten orientiert man sich am Budget, welches man sich selbst gibt. So habe ich das gemacht. Vorbau austauschen, Pedale, Tretlager … Man merkt schnell die ersten mehreren 100g, die fehlen, wenn gut ausgetauscht wurde. 8 Kilo Gesamtgewicht zu erreichen, ist ein tolles Ziel. Aber Gewicht ist eben auch nicht alles. Es ist leichter 3 Kilo Körpergewicht zu verlieren, als das Rad zu pimpen.

Die Liebe zum Rennrad ist aber auch immer eine Liebe zur Strecke. Zur Straße. Sie ist das Spielfeld. Auf ihr geht es um Kilometer, Geschwindigkeit, aber auch um die Orte, die man erlebt. Aber auch dazu später mehr.

Keep on moving, bitches.

Die Havelchaussee in Berlin-Grunewald. Rennrad-Country.